Performance SAGA

2008/09
Leitung: Christine Biehler

Das Seminar richtet sein Augenmerk auf die amerikanischen und europäischen Pionierinnen der Performancekunst. Die Künstlerinnen, heute zwischen 63 und 74 Jahre alt, waren in den 1960er und 1970er Jahren maßgeblich an der Entwicklung und Etablierung der damals neuen Kunstform beteiligt. In jüngst aufgezeichneten Gesprächen berichten die Wegbereiterinnen über ihre Arbeit und die Bedingungen unter denen ihr Werk entstanden ist. Die Seminargruppe diskutiert auf der Basis der Interviews und eigener Recherchen, das Werk und das Selbstverständnis von Esther Ferrer/ Valie Export/Joan Jonas/Carolee Schneeman/Annie Sprinkle/Ulrike Rosenbach/ Alison Knowles /Martha Rossler.

Unsere kunstgeschichtliche Einarbeitung bildet die erste Vorbereitung und Grundlage des Besuchs des Performancefestivals „Bone“ im Dezember 2008 in Bern. Dort haben wir die Gelegenheit einige der Künstlerinnen persönlich zu treffen und unsere Kenntnisse und Vorstellungen in der Begegnung mit den ‚wirklichen’ Personen abzugleichen.
Wir erkennen und diskutieren vor Ort, wie sehr die in Kunstgeschichtsbüchern sich ständig wiederholenden, wenigen Performancestills den Mythos um die Pionierinnen formten und wie die Frauen mit dieser Definitionsmacht der Medienbilder, oder, wie Carolee Schneeman sagt, wie sie mit ihrer ‚Pelztasse’ umgehen.

Neben der „Kunstgeschichte live“ werden täglich vor Ort Texte zu den gesehenen Performances verfasst und die verschriftlichten Analysen der Aktionen besprochen. Welche Textform ist welcher Performance angemessen? Wir schreibt sich die eigene Haltung zum Gegenstand und momentane Verfasstheit ein? Wie das Vorwissen?
Die Texte bilden die Grundlage für die Diskussion über Strategien des Reenactments in der zeitgenössischen Performance, die heute ganz aktuell viele junge PerformerInnen beschäftigt.