Theorie und Praxis der künstlerischen Gestaltung von Raum

mit den Schwerpunkten Installation – Performance – Ausstellung

Das Fachgebiet Raum lehrt und forscht in den Feldern Bildhauerei, Installation, Performance und Ausstellungspraxis.

Der ästhetische und gestalterische Umgang mit dem Dreidimensionalen hat sich gewandelt, weil unser Raumbegriff sich verändert hat: von der Vorstellung eines Behälters für Dinge und Körper hin zu einem sich in ständiger Veränderung befindlichen Verhältnis raum-zeitlicher Lebenszusammenhänge. Der Begriff der Bildhauerei muss sich deshalb heute mit der Vorstellung eines relationalen Raumes verbinden.

Die Studierenden im Fachgebiet Raum untersuchen theoretisch wie praktisch, was es heißt, der Dimension ,Raum' in der Bildenden Kunst zu folgen und Raum zu begreifen als Resonanzfeld vielfältiger Bewegungen und Beziehungen, die miteinander in vernetzten Strukturen existieren. Der Schwerpunkt der Projekte liegt auf der experimentellen Untersuchung raum- und situationsbezogener Fragestellungen:

Wie organisiert man einen Raum unter atmosphärischen Gesichtspunkten?
Was ist das eye-management in einer Installation?
Was heißt es für die Ausstellungsgestaltung, wenn Raum sich in der Bewegung öffnet, wieder verschließt, neu gliedert? Welche Rolle haben dabei die Exponate?
Welche Formen bildet Skulptur aus, wenn auch konkrete Handlungen, Immaterielles und Reaktionen und Entwicklungen von partizipierenden Personen Teil der Werke sind?
Wo begegnen sich Performance und Bildhauerei, wenn den Bereich der Skulptur bereits Aspekte des Prozesshaften und Beweglich-Temporären beinhaltet?
Wie kann man „die Layers“ einer künstlerische Arbeit im Raum beschreiben?

In den ersten Semestern steht das Arbeiten an einer thematischen Anregung und die Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit für räumliche Zusammenhänge im Mittelpunkt des Studiums. Die Studierenden entwickeln im Rahmen von Seminaren, Übungen und Projekten eigene, teilweise auch gemeinschaftliche künstlerische Arbeiten. Es entstehen Objekte, Installationen, Fotoarbeiten, Videoarbeiten, Animationen, Projekte und Aktionen im öffentlichen Raum, Performances, Konzepte und viele Mischformen. Die älteren Semester können in den Hauptseminaren oder Projekten und schließlich in der Abschlussarbeit ihren "Kürpart" und persönliche Themen und Belange weiter ausbauen, wobei Textarbeit, Gruppengespräche und Einzelkorrekturen stets die Arbeit begleiten.

Für das Kennenlernen und Analysieren von ästhetischen Zugriffsweisen kann Sparten übergreifend mit allen Materialien und Techniken experimentiert werden. Dabei dienen die Techniken als Vehikel, können von Nutzen sein, müssen aber nicht, und sollten vor allem bereits in ihrer inhaltlichen Komponente mitreflektiert werden.

Die Breite der Praxisfelder eröffnen Möglichkeiten vielschichtiger, interdisziplinärer Ansätze, die innerhalb des Fachbereichs in Kooperation mit anderen Lehrstühlen aus Theater, Literatur, Film, Foto und Musik Praxis bezogen erprobt und diskutiert werden können.

Kunstgeschichtliche und kunstwissenschaftliche Studien mit dem Schwerpunkt auf ästhetischen Modellbildungen der zeitgenössischen Kunst sind fester Bestandteil aller Seminare und dienen als Instrumente der Selbstverständigung und Schärfung der Kritikfähigkeit sowie zur Präsentation und argumentativen Vermittlung von künstlerischen Arbeiten.

Unternehmerische und kommunikative Fähigkeiten wie das Erstellen von Anträgen, der Umgang mit Sponsoren, Veranstaltern, Galerien, u.a., also organisations- und Berufsfeld bezogene Techniken, ergänzen das Studium in der Abteilung Raum.

Die aktuellen Ergebnisse der wissenschaftlichen und künstlerischen Auseinandersetzungen im Fachgebiet Raum werden zwei Mal im Jahr im Rahmen einer Werkschau präsentiert.

Während der umfangreichen und mehrtägigen Semesterabschlusspräsentation "enter!" stellen die StudentInnen sich untereinander und der interessierten (Hochschul-) Öffentlichkeit eindrucksvoll die künstlerische Qualität und Vielfalt der ästhetischen Praxis vor.


(Stand 27.1.2009)